FanQ-Umfrage: 48 Teams, 3 Gastgeber, 1 Politikum – WM 2026 hinterlässt bei den Fans eine ernüchterte Bilanz
Fünf Wochen, 48 Nationen, drei Gastgeberländer: Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko war die größte und am längsten dauernde Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte. Spanien sicherte sich mit einem 1:0 nach Verlängerung gegen Titelverteidiger Argentinien den zweiten WM-Titel nach 2010 und beendete damit zugleich Lionel Messis letzten großen Traum vom Turniersieg. Die deutsche Nationalmannschaft scheiterte dagegen erneut früh: Gegen Paraguay war für das DFB-Team bereits im Sechzehntelfinale Endstation. Abseits des Rasens sorgte vor allem ein Fall für Schlagzeilen: die politische Kontroverse um den US-Stürmer Folarin Balogun.
Köln. FanQ hat die WM 2026 lückenlos begleitet: In 23 FanPuls-Erhebungen mit insgesamt sechsstelliger Teilnehmerzahl (118.573) wurde die Stimmung der Fans von den ersten Erwartungen bis zur finalen Bilanz erfasst. Wie fällt ihr Urteil zur WM in der Gesamtschau aus? Wie zum frühen DFB-Aus? Welche Regeln sorgten für Unmut – und wie stark beschädigte die Kontroverse um Balogun das Vertrauen in die FIFA?
Ordentlicher Fußball, enttäuschende Gesamtnote
Sportlich sah es zunächst nach einer runden Sache aus: Deutschland gewann die Gruppe E souverän – 7:1 gegen Curaçao, 2:1 gegen die Elfenbeinküste –, ehe im irrelevanten letzten Gruppenspiel eine 1:2-Niederlage gegen Ecuador folgte. Im Sechzehntelfinale gegen Paraguay war dann trotzdem früh Schluss: Nach einem 1:1 nach Verlängerung scheiterte das DFB-Team im Elfmeterschießen mit 3:4. Für die Fans war das kein Ausrutscher, sondern ein Realitätscheck: 67,8 Prozent werteten das Aus als Spiegelbild des aktuellen Leistungsstands, nur 27,8 Prozent empfanden es als echte Enttäuschung. Die Kritik zielte damit weniger auf die einzelne Niederlage als auf den Zustand des Teams insgesamt.
An der reinen Fußball-Qualität hatten die Fans wenig auszusetzen: 2,89 von 5 Sternen vergaben sie dafür im Schnitt, für Spannung (2,61) und Unterhaltungswert (2,58) fiel die Note zwar niedriger, aber immer noch solide aus. Auf die Gesamtzufriedenheit schlug das jedoch kaum durch: Für die WM 2026 als Ganzes vergaben die Befragten im Mittel nur 2,37 von 5 Sternen, mehr als die Hälfte sogar nur einen oder zwei. Diese Gesamtnote erhob FanQ erstmals als zusammenfassendes Schlussurteil über alle 23 Erhebungen hinweg – und sie fällt damit deutlich niedriger aus als jede einzelne ihrer Teilbewertungen. Guter Fußball reicht demnach nicht für ein rundum überzeugendes Turnier: Vor allem drei Faktoren drückten den Wert, die im Folgenden im Detail beleuchtet werden – das frühe Aus der deutschen Mannschaft, die anhaltende Kritik am neuen Turnierformat und der politische Eklat um den Fall Balogun.
DFB-Aus als Realitätscheck – die Fanbindung bricht ein
Sportlich sah es zunächst nach einer runden Sache aus: Deutschland gewann die Gruppe E souverän – 7:1 gegen Curaçao, 2:1 gegen die Elfenbeinküste –, ehe im irrelevanten letzten Gruppenspiel eine 1:2-Niederlage gegen Ecuador folgte. Im Sechzehntelfinale gegen Paraguay war dann trotzdem früh Schluss: Nach einem 1:1 nach Verlängerung scheiterte das DFB-Team im Elfmeterschießen mit 3:4. Für die Fans war das kein Ausrutscher, sondern ein Realitätscheck: 67,8 Prozent werteten das Aus als Spiegelbild des aktuellen Leistungsstands, nur 27,8 Prozent empfanden es als echte Enttäuschung. Die Kritik zielte damit weniger auf die einzelne Niederlage als auf den Zustand des Teams insgesamt.
Wie sehr das nagte, zeigt der Verlauf der emotionalen Bindung: Vor der WM lag sie bei 2,87 von 5 Sternen, wuchs während der Vorbereitung auf ein Zwischenhoch von 3,19, fiel nach der Partie gegen Ecuador bereits auf 2,78 – und stürzte nach dem Ausscheiden auf einen Tiefpunkt von 2,13. Bis zur abschließenden Befragung Ende Juli erholte sich der Wert nur auf 2,32; 59,1 Prozent der Fans bezeichnen ihre Bindung an die Nationalmannschaft weiterhin als schwach oder sehr schwach. Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch: 64,7 Prozent halten Jürgen Klopp für den richtigen Trainer für den Neustart, weitere 24,3 Prozent stimmen zumindest teilweise zu – zusammengenommen sehen damit fast neun von zehn Fans grundsätzliches Potenzial in dieser Lösung.
Mehr Teams bedeuten für die Fans kein besseres Turnier
Erstmals in der Turniergeschichte traten bei dieser WM 48 statt 32 Nationen an – verteilt auf drei Gastgeberländer und mit einer neuen K.-o.-Runde der besten 32, durch die selbst gute Gruppendritte noch ins Turnier einzogen. Ausgerechnet Paraguay, das sich in seiner Gruppe nur als Dritter hinter Gastgeber USA qualifiziert hatte, wurde später zum Bezwinger der deutschen Mannschaft. Auch das neue XXL-Format überzeugte die Fans insgesamt nicht: 54,4 Prozent bewerteten die Aufstockung auf 48 Mannschaften eher oder eindeutig negativ, nur 30,9 Prozent positiv. Eine mögliche weitere Vergrößerung auf 64 Teams lehnen die Fans noch entschiedener ab – 87,9 Prozent befürchten, das würde die Qualität des Turniers weiter verwässern. Das heißt nicht zwingend, dass mehr internationale Teilhabe grundsätzlich unerwünscht wäre. Es heißt aber: Wachstum darf aus Fansicht nicht auf Kosten von Spannung, Relevanz und sportlicher Qualität gehen – mehr Spiele allein werden nicht automatisch als Gewinn empfunden.
Ähnlich fiel das Urteil zu den organisatorischen Neuerungen aus. Offiziell mit dem Gesundheitsschutz der Spieler bei den hohen Temperaturen in den Spielorten begründet, wurde den verpflichtenden Trinkpausen von vielen Fans dennoch vor allem ein Motiv unterstellt: zusätzliche Werbezeit. Zu Turnierbeginn kam die Maßnahme noch bei 47,1 Prozent positiv oder eher positiv an – im Rückblick sagten nur noch 14,0 Prozent, sie habe sich bewährt, 69,3 Prozent widersprachen. Auch die Schiedsrichterleistungen fielen durch: Im Schnitt vergaben die Fans dafür nur die Note 4,1 – wenig überraschend nach Szenen wie der Aberkennung von Jonathan Tahs vermeintlichem Siegtreffer gegen Paraguay in der Verlängerung, die Experten und Bundestrainer Julian Nagelsmann gleichermaßen fassungslos zurückließ.
Fall Balogun erschüttert das Vertrauen in die FIFA
Der schwerste Faktor für die verhaltene Gesamtbilanz lag aber wohl abseits des Rasens: Nachdem US-Stürmer Folarin Balogun im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen hatte und damit eigentlich automatisch für das Achtelfinale gegen Belgien gesperrt war, intervenierte US-Präsident Donald Trump persönlich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino – mit Erfolg: Die Sperre wurde ausgesetzt, Balogun durfte spielen. Für viele Fans wurde der Fall damit zum Sinnbild politischer Einflussnahme auf den Sport, trotz Infantinos Beteuerung, die zuständige Disziplinarkommission entscheide unabhängig. Die Kontroverse ließ sich in der Folge für die meisten Fans nicht mehr vom sportlichen Geschehen trennen: 92,1 Prozent gaben an, der Vorgang habe ihre WM-Freude negativ beeinflusst, 73,2 Prozent davon sogar deutlich. Das Vertrauen in die politische Unabhängigkeit der FIFA erreichte dadurch einen historischen Tiefpunkt: 93,8 Prozent äußerten geringes oder sehr geringes Vertrauen, allein 80,5 Prozent sprachen von „sehr geringem“ Vertrauen.
Fazit: Guter Fußball, zu viele Störfaktoren
Sportlich hatte die WM 2026 einiges zu bieten – Spaniens zweiter Titel nach 2010, ein letztes großes Kapitel für Lionel Messi, dazu jede Menge Drama in der erstmals erweiterten K.-o.-Runde. In der Gesamtbilanz der Fans schlägt sich davon aber wenig nieder. Weder das aufgestockte Teilnehmerfeld noch die neuen Turnierregeln überzeugten im Rückblick, und der Fall Balogun beschädigte das Vertrauen in die FIFA nachhaltig – ausgerechnet bei einem Turnier, das laut FIFA-Eigenwerbung neue Maßstäbe setzen sollte. Am Ende bleibt: Sportliche Qualität allein macht noch keine begeisternde WM. Transparenz, saubere Rahmenbedingungen und faires Spiel entscheiden aus Fansicht mindestens genauso stark mit – und genau daran haperte es bei diesem XXL-Turnier.
Quellen: FanPuls 1 bus 23 (insgesamt 118.573 Teilnehmer, Erhebungszeitraum 19.03. bis 22.07.2026), gemeinsam durchgeführt von FanQ, Home of Sports und AbsolutFussball. Einzelne Werte basieren auf ausgewählten Teilerhebungen (u. a. FanPuls 16, 22, 23) – siehe Detailquellen im vollständigen Report.
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